Das Brauchtum

RES SEVERA VERUM GAUDIUM

Karnevals - Tage

Weiberfastnacht
 

Mit dem letzten Donnerstag vor der Fastenzeit brechen die eigentlichen Fastnachtstage bzw. Karnevalstage an. Je nach Region wird dieser Tag unterschiedlich benannt. Im Südwesten Deutschlands spricht man vom "schmutzigen Donnerstag" oder "schmotzigen Donnerstag". Das Wort "schmutzig" hat dabei nichts mit Schmutz im Sinne von Dreck zu tun, sondern leitet sich von dem schwäbisch-alemannischen Wort "Schmotz" ab, das soviel wie "Fett" bedeutet. Die Bezeichnung "schmutziger Donnerstag" deckt sich also mit dem andernorts üblichen Namen "fetter Donnerstag" oder "feister (= fetter) Donnerstag".

Alle diese Ausdrücke erinnern an den früheren Fastnachtsbrauch, dass an diesem Donnerstag letztmalig vor Aschermittwoch geschlachtet wurde und in Folge dieser Schlachtung die fettgebackenen Fastnachtsküchlein bzw. Fastnachtskrapfen hergestellt wurden. Noch heute findet in manchen Orten traditionell donnerstags ein Schlachtfest statt. 

Andere übliche Bezeichnungen für den Fastnachtsdonnerstag sind beispielsweise "unsinniger Donnerstag" oder "gumpiger Donnerstag". Sie stellen vor allem den Aspekt heraus, daß an diesem Tag überall die Narreteien beginnen. Das Wort "gumpig" leitet sich von dem mittelhochdeutschen Wort "gumpen" ab. Es bedeutet "sich auf und ab bewegen", "hüpfen" oder im weiteren Sinne "Possenreißen". 

Neben den genannten Bezeichnungen gibt es noch eine Reihe anderer wie z. B. "Schwerdonnerstag", "unseliger Donnerstag" oder "auseliger Donnerstag" usw., die sich aber im wesentlichen auf die genannten Aspekte des Fastnachtsdonnerstags beziehen, teilweise aber auch nur dialektbedingte Abwandlungen darstellen. 

Im Rheinland ist der Donnerstag vor Aschermittwoch der Tag der "Altweiberfastnacht" oder einfach "Weiberfastnacht". An diesem Tag übernehmen die Frauen symbolisch die Herrschaft. Mit einem Fastnachtskostüm bzw. Karnevalskostüm verkleidet, teilweise auch maskiert, versammeln sie sich in mehr oder weniger organisierten Gruppen und beginnen ihr närrisches Treiben. Sie ziehen durch den Ort und kehren in verschiedenen Gasthäusern ein. Am Mittelrhein bezeichnen sich diese Frauen als Möhnen. 

Die Übernahme der Herrschaft durch die Frauen an Weiberfastnacht drückt sich besonders in dem Brauch aus, den Männern die Krawatten abzuschneiden. Für die Herren der Schöpfung ist es also nicht ratsam, an diesem Tag gerade die beste Krawatte zu tragen. In manchen Orten finden donnerstags Altweibersitzungen statt. Aber auch Altweiberbälle oder andere Maskenbälle werden veranstaltet.

Im badisch-schwäbischen Raum haben sich andere Fastnachtsbräuche etabliert. So ziehen in vielen Orten donnerstags schon früh weiße Gestalten in Nachthemden umher, oder Musikkapellen und Fanfarenzüge wecken bereits vor Tag lautstark die Einwohnerschaft. Im Bodenseegebiet kennt man als Fastnachtsbrauch das Narrenbaumsetzen, das mit allerlei Brimborium begangen wird.


Weiberfastnacht in Köln

Die Weiberfastnacht - von Nonnen, Möhnen, Marktfrauen und warum Männer an diesem Tag keine Krawatten tragen
Schon im Mittelalter wurde in den Kölner Klöstern am Donnerstag vor Fastnacht die sogenannte Pfaffenfastnacht gefeiert. Besonders in den Nonnenklöstern muß es hoch hergegangen sein. Aus dem Benediktinerkloster St.Mauritius wird vom Karneval 1729 berichtet, dass man die Fastnacht in voller Lust gefeiert hätte, und alle Nonnen seien verkleidet gewesen. Am Tag wurde getanzt und gesprungen und des Nachts, als die Äbtissin schlafen gegangen war, wurde bei Kaffee und Tee Karten und Dame gespielt.

Die Pfaffenfastnacht verschwand mit dem Einzug der französischen Revolutionsarmee 1794 in Köln, als alle Klöster aufgelöst wurden.

Auch auf den Straßen Kölns wurde von den Frauen Weiberfastnacht gefeiert, besonders von der Marktfrauen auf dem Altermarkt. Die Frauen rissen sich gegenseitig die Mützen und Hüte vom Kopf. Das Ganze nannte man "Mötzebestot" (kölsch für "Mützenbestapelung"). Der Hintersinn dieses Brauchs liegt in der Bedeutung des Sprichworts "unter die Haube bringen". Eine Tochter "unter die Haube bringen" heißt, sie zu verheiraten oder ins Kloster zu geben. Dieser Brauch hielt sich etwa bis gegen 1890.

Nach der Aufhebung der Märkte auf dem Kölner Alter Markt in den 1930er Jahren versuchte man dem Fest eine mehr offizielle Note zu geben, indem man die Flagge des Prinzen auf dem Rathausturm hisste, als Zeichen für die Eröffnung des Straßenkarnevals.

Nach dem Krieg wollte man unter den völlig gewandelten Voraussetzungen die Feier neu gestalten. In der Großmarkthalle an der Bonner Straße eröffnete 1950 das Dreigestirn erstmals die Weiberfastnacht. Auf Grund der Sicherheitsbedenken gegenüber der völlig überfüllten Halle mußte diese Veranstaltung schon 1953 wieder aufgegeben werden. Seitdem veranstalteten die Altstädter (ein Traditionskorps des Kölner Karnevals) auf dem Alter Markt eine öffentliche Straßensitzung, die auch vom Dreigestirn besucht wird. Der Alter Markt ist dabei regelmäßig so voller Menschen, dass die Zugänge von der Polizei abgesperrt werden müssen.

Nachtrag zum "Krawattenabschneiden": Der Brauch, dass die Frauen den Männern an Weiberfastnacht die Krawatten abschneiden (um zu zeigen, dass sie an diesem Tag das Sagen haben), soll erst kurz nach 1945 Verbreitung gefunden haben. Allerdings ist schon seit einiger Zeit ein starkes Abflauen zu bemerken, was vielleicht daran liegt, dass kaum noch Männer an diesem Tag eine Krawatte tragen.

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